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EDITORIAL

Tamara Pfeuffer

 

Tamara Pfeuffer

Liebe Leserinnen und Leser,

heute habe ich als die „Neue“ im Team das Vorwort für den Monat Mai.
Bis gestern war mir noch nicht ganz klar, welches Thema ich aufgreifen sollte. Bis gestern, das war der 29. April.
Es war ein Fotoshooting am Attersee geplant, die Wetteraussichten waren einwandfrei, sommerliche Temperaturen schon Ende April. Das Apnoe – Equipment von Subgear, mit dem wir das Thema Freitauchen dieses Jahr im Magazin selbst erfahren und weitergeben wollen und der traumhafte neue Modelanzug von Camaro in leuchtendem Gelb sollten über und unter Wasser ins Bild gesetzt werden.
Die Sprache erfand in ihrer Entwicklung den Konjunktiv, eine Möglichkeitsform, der an diesem 29. April recht häufig angewendet werden musste.
Der Attersee ist von München nicht so weit entfernt, dass man schon um 7:00 Uhr aufbrechen müsste, um bei guten Lichtverhältnissen vor Ort zu sein. Wie oft war ich schon an dieser beliebten Tauchdestination in Oberösterreich, sommers wie winters ohne irgendwelche Probleme, den See tatsächlich erreichen zu können. Warum sollte ich plötzlich misstrauisch werden und vorab nach irgendwelchen Informationen suchen, ob man den See, der schließlich rund ums Jahr kräftig für die taucherischen Aktivitäten beworben wird, zu Gesicht bekommen würde. Außerdem ist es ja Usus, die einschlägigen Redaktionen mit Pressemitteilungen zu versorgen, gibt es irgendwelche Events oder Statusveränderungen in einer Tauchregion. Und so hätte ich aus unserem Magazin erfahren können, wenn am Attersee was faul ist, zum Beispiel am 29. April.
Der Plan war nach dem Buch „Tauchen in Fließgewässern – Geheimtipps in Österreich“ aus der Feder von Harald Hois, mit Fotos von Harald Hois und Gerald Kapfer, verschiedene beschriebene Tauchplätze in tieferen Auswaschungen – Gumpen – in von Quell- und Schmelzwasser gespeisten Bächen zu betauchen (ohne Gerät aber mit Kamera) sowie den Attersee in reizvollem Uferbereich, mit Bewuchs und Jungfischschwärmen als Ambiente für das Shooting.
Eine Straßensperre, gebildet von der Gendarmerie und der freiwilligen Feuerwehr, beendete den Landeanflug auf Unterach am Attersee unerwartet und da gab es noch ein paar „un-“ mehr.
Weil ich hier nicht als Einzelfall strandete, davon zeugte die KFZ-Schlange hinter mir, war damit schon ein Mangel in der Informationspolitik der Region zu erkennen. Denn, wie der nette Uniformierte dozierte, sei die gesamte Atterseeregion von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr für den heutigen autofreien Tag Fußgängern und Radfahreren vorbehalten.
So eine schlecht bis garnicht kommunizierte Blockade muss man sich schon leisten können und dann auch noch jene verprellen, die mit ihrer Tauchausrüstung von der Werbung angelockt zum Teil über weite Strecken anreisen und letztlich in die Röhre schauen müssen. Ich habe online nachrecherchiert, lediglich auf der Website vom Attersee gab es einen nicht sehr prominenten Hinweis, bei atterseediving gab keine Notiz. Und die Verkehrsmeldungen von Ö3 und anderen Sendern brachten erst lange nach Eintritt des Ausnahmezustand eine Meldung.
Verpennt, verpennt, verprellt.
Doch der Plan A, Gumpentauchen im Weißenbachtal, hübsch beschrieben im schon zitierten Buch, musste noch nicht beerdigt werden, ein fetter Umweg von rund 50 Kilometern führte zum anderen Ende des Tals, um dort angekommen wieder an einer Polizeisperre zu enden, die aber personell nicht besetzt war. Nicht einmal ein verlassenes Einsatzfahrzeug war auszumachen. Vermutlich machten die abkommandierten Gendarmen gerade Mittag. Ein Anwohner, der in die gesperrte Straße einfahren wollte, konnte zumindest klar sagen, dass die mit Kilometertafeln ausgewiesenen Gumpentauchplätze erreichbar sein müssten. Abgesehen davon sei er als Anwohner selbst von der aktuellen Situation völlig überrascht worden. 
Seite 178, das Weißenbachtal. Zitat aus dem Buch: „ ...Kristallklare Wasser, atemberaubende Landschaft, steil abfallende Felswände, reine, frische Luft – Herz, was willst Du mehr!“ ...? 
Mittlerweile weiß ich mehr, was ich will.
Weil das Pferd fahrtechnisch von hinten aufgezäumt werden muss, gibt es den ersten Stopp bei Kilometer 10,8. Den versprochenen Abstellplatz für das KFZ gibt es. Auch den angesprochenen Pfad, den Angler benutzen, um dem Wasser nahe zu kommen. Nicht erwähnt war aber die durchaus mittelmäßig alpine Ausstattung mit Schuhwerk und langen Hosen, die den Abstieg sicherer gestalten würde. Rutschige Laubbetten auf unsichtbaren, glatt gewaschenem Felsuntergrund sind nicht der ideale Boden für einen ungesicherten Einstieg, dann, wenn man mit Anzug, Füßen in Füßlingen, ABC unterm Arm und UW-Kamerasystem die kleine Gumpe aufsuchen möchte. Obwohl schon ziemliche Wassermengen herunterrauschen, es fehlt noch gut ein Meter, um die kleine Gumpe als Fotomotiv von innen betrachtet sinnvoll nutzen zu können.
Auf zur nächsten Empfehlung bei Kilometer 9,6. Noch weiß ich nicht, dass ich einem von Harald Hois beschriebenen Tauchplätzen heute nie mehr näher sein sollte, als gerade eben.
Der nächste „Einstieg“ in die Klamm wäre ohne Guide und Seilsicherung nicht zu bewältigen. Das wird im Buch an dieser Stelle nicht beschrieben und könnte lapidar nur unter den im einleitenden Bereich veröffentlichten Passagen gefunden werden, in der Möglichkeitsform einzelne Tauchplätze betreffend.
Aber da gibt es ja noch Kilometer 9,2.
Malerisch, reißend, so rauscht der Mitterweißenbach dahin. Kein Thema für hier und heute. Zu viel Wasser. Und der Zufall will, dass noch jemand aus der österreichischen Freitauchszene vor dem unerreichbaren Attersee kapitulieren musste und in den Gumpen hier ein Ausweichrevier sucht: Dieter Baumann. Ihn hatte die Uninformationspolitik der Atterseeregion genauso eiskalt erwischt. Nach kurzem Shake Hands suche ich meinen letzten Trumpf auszuspielen.
Plan B - Seite 62, die Gimbachkaskaden bei Kilometer 4,2.
Zitat: „.....Der Wanderweg führt durch den Wald entlang des Baches.... Nach ca. 10 Minuten links zu den „drei Gumpen“ abzweigen. Ein schmaler, manchmal rutschiger Abstieg von ca. 15 Metern führt direkt zu den drei gleich großen Becken....“
Möglich, dass es das gibt. Vielleicht. Alle Vorgaben der Schilderung im Buch zu erfüllen garantierte keinen Erfolg. Nach +/- 10 Minuten gibt es keinen Anhalt links abzuzweigen, ich bin ohnehin schon hart an der Kante der Schlucht, einen Abstieg kann ich nicht erkennen, der Bach liegt von steilen Felswänden umrahmt tief unten.....
Genug der Möglichkeitsform, ich beschließe die auf der letzten Messe boot frisch erstandene Infoquelle Baujahr 2007 zu den Akten zu legen.
Der Kreis des heutigen Tages hat sich geschlossen.
Jetzt geht es zu Fuß zwei Kilometer zur Nixe vom Attersee und endlich, viele Stunden später, startet das erfrischende Shooting im kleinen Naturbecken direkt unterhalb eines malerischen Wasserfalls.
Naja, auch wenn die Region Attersee und Oberösterreich östlich von München ist, waren die Tauchgänge im „Wilden Osten“, nördlich von München, doch einfacher abzuwickeln.

Ich wünsche Ihnen einen echten Wonnemonat Mai mit viel „ist“ und wenig „könnte“,


herzliche Grüße,

Tamara Pfeuffer
 

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